Loss of inhibition: abliteration bypasses language model safeguards
A radio feature by Achim Killer, aired on Deutschlandfunk's Computer und Kommunikation, July 4, 2026.
Original: "Hemmungsverlust: Abliteration umgeht die Schutzvorkehrungen von Sprachmodellen"
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Hinweis: Meine Antworten wurden auf Englisch aufgenommen und mit deutschem Voice-over ausgestrahlt – die Zitate unten sind also die Übersetzung der Redaktion, nicht wörtlich meine Worte.
KI-Agenten und Chatbots mit generativer künstlicher Intelligenz, die sollen Texte zusammenfassen, Mails schreiben oder Beschaffungsaufträge kostengünstig erledigen. Das wünscht man sich. Was sie nicht sollen, das ist Pornos generieren, volksverhetzende Pamphlete verfassen, Schadsoftware programmieren oder Paletten mit Klopapier zu überteuerten Preisen einkaufen. Das wünscht man sich nun gar nicht. Die eingebauten Sicherheitsvorkehrungen in den Sprachmodellen, die sorgen dafür, dass entsprechende Anfragen, also unerwünschte Prompts, abgelehnt werden. Doch diese Schutzmaßnahmen sind leicht überwindbar und werden auch immer öfter überwunden. Darüber berichtet Achim Killer.
Andy Unsere Forschung war weitgehend theoretisch. Sie hat aber gezeigt: Wenn man ein großes Sprachmodell hat und seine Gewichte veröffentlicht, dann kann seine Zensur umgangen werden. Das ist mittlerweile eine anerkannte Tatsache. Vielleicht zieht die Politik das in Betracht, wenn es um Open-Source-Veröffentlichungen geht.
Sagt Andy Arditi. Sein Fachgebiet nennt sich Mechanistic Interpretability. Dabei geht es darum, was in einem Sprachmodell zwischen Prompt und Output so alles passiert.
Andy Die Interpretierbarkeitsforschung untersucht, was in einem KI-Modell geschieht und zu dem komplexen Verhalten führt, das wir kennen. Denn niemand versteht, wie sie intern funktionieren.
Als unabhängiger Forscher hat Arditi 2024 zusammen mit Kollegen vom MIT und der ETH Zürich ein Papier veröffentlicht, das beschreibt, was da im Inneren passiert, wenn ein Modell eine Antwort verweigert. Und weil er sich als so einfach herausgestellt hat, haben die Wissenschaftler auch gleich gezeigt, wie man dem Modell seine Verweigerungshaltung wieder abgewöhnen kann. Abliteration nennt sich das – eine sprachliche Neuschöpfung in Anlehnung an chirurgische und neurochirurgische Fachbegriffe.
Andy Wenn man in ein Modell mit seinen versteckten Aktivierungen hineinschaut – vergleichbar dem Gehirn mit seinen feuernden Neuronen – dann kann man ein klares Signal erkennen. Dieses Signal ist da, wenn das Modell eine Anfrage zurückweist, und es ist weg, wenn es eine Frage akzeptiert. Und die Ursache für dieses Signal lässt sich in Form eines einzigen Vektors darstellen, jenes mathematischen Objekts, mit dem Sprachmodelle ja im Inneren rechnen.
“Refusal in language models is mediated by a single direction” lautet denn auch der Titel des Forschungspapiers von Arditi und Kollegen. Abliteration bedeutet nun, ins Gehirn des Modells zu greifen und das Signal permanent abzuschalten. Und wenn das Signal abgeschaltet ist, wird das Modell die Antwort nicht mehr verweigern. In der Praxis lässt man dazu das Modell zuerst harmlose Eingaben verarbeiten – Fragen nach Katzenbildern, dem Wetter oder Geschenktipps – und dann brisante: nach Pornos, Drogen, Sprengstoff und Schadsoftware. Aus den Unterschieden im Innern des Modells lässt sich dann der gesuchte Vektor berechnen. Der könnte jetzt bei jeder Eingabe angewendet werden, aber es hat sich als effizienter herausgestellt, wenn er in die Gewichte des Sprachmodells eingearbeitet wird. Das Modell beantwortet dann bereitwillig jede Frage, die ihm gestellt wird, und kommt jeder auch noch so zweifelhaften Aufforderung nach.
Andy Es ist ziemlich einfach. Wir waren von dieser schlichten Methode überrascht. Deshalb hat es wohl online so viel Aufmerksamkeit erfahren, weil es ganz einfach und leicht zu implementieren ist.
So das Fazit von Andy Arditi. Auf Hugging Face, einer Plattform zum Teilen von Sprachmodellen, stehen mehrere Tausend davon, die als “unzensiert” oder eben als “abliterated” bezeichnet werden. Es handelt sich dabei um Open-Source-Modelle, die zuvor mit ihren erlernten Gewichten veröffentlicht worden sind. Darunter viele chinesische, die jetzt auch freimütig etwa über Tibet Auskunft geben und über das Massaker auf dem Tiananmen-Platz 1989. Dadurch, dass der Ablehnungsvektor herausgerechnet worden ist, sind sie von den Einschränkungen befreit, die ihre Entwickler ihnen auferlegt haben. Im Idealfall kann so ein Modell alles, was die Originalversion kann, nur eben keine Anfrage ablehnen.
Andy Die ganze Abliterationssache war ein Nebenprodukt davon, dass wir herausfinden wollten, was vorgeht. Ein überraschendes Nebenprodukt. Wir hätten nicht gedacht, dass das so viel Aufmerksamkeit erregt.
Abliteration – über das Austricksen von KI-Sprachmodellen berichtete Achim Killer.
Footnotes
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The term “theoretical” is from the translation, not from my own words. My own words are briefly audible at the start of the excerpt: “our research was mostly about […] the science” – the initial goal was to understand how models implement refusal, not to develop some practical application, like a method for uncensoring models. I suspect that it is this distinction that got compressed into the word “theoretical”. Our work is, in fact, almost entirely empirical. ↩